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Grenzüberschreitend · Liechtenstein

Zollvertrag CH-LI und grenzüberschreitende E-Rechnung

Wie der Zollvertrag von 1923 die Rechnungsstellung zwischen Liechtenstein, Schweiz, EU und Drittstaaten prägt — sechs konkrete Szenarien mit MwSt-Behandlung und Peppol-Codes.

Der Zollvertrag zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und dem Fürstentum Liechtenstein vom 29. März 1923 (SR 0.631.112.514) ist eine der ältesten kontinuierlich geltenden multilateralen Wirtschaftsvereinbarungen Europas. Über hundert Jahre nach seiner Unterzeichnung prägt er jeden Tag die liechtensteinische Mehrwertsteuer- und Rechnungspraxis: Liechtenstein und die Schweiz bilden einen gemeinsamen Zoll- und Mehrwertsteuerraum, weshalb CH-LI-Lieferungen als Inlandsbezüge gelten und nicht als grenzüberschreitende Transaktionen mit Reverse Charge.

Für die elektronische Rechnungsstellung bedeutet das eine Doppelnatur: Innerhalb des CH-LI- Raums gelten schweizerische Regeln (QR-Rechnung, gleiche MwSt-Sätze, gemeinsames UID-Register). Gegenüber dem EU-Raum gilt LI als Drittstaat — die EU behandelt LI-Lieferungen wie Schweizer Lieferungen mit Reverse Charge für die EU-Empfänger. Gegenüber echten Drittstaaten (USA, JP, etc.) gelten die normalen Exportregelungen ohne besondere Mehrwertsteuermechanik.

Sechs Szenarien mit MwSt-Behandlung und Peppol-Codes

LI → CH (Schweizer Empfänger)

Behandlung

Inlandsbezug nach Zollvertrag — wie eine schweizerische Inlandsrechnung behandelt

MwSt

Normale liechtensteinische MwSt (8,1 % / 3,8 % / 2,6 %), Vorsteuerabzug beim CH-Empfänger

Peppol BIS 3.0

S / AA / Z (je nach Satz), kein AE

CH → LI (Schweizer Lieferant an LI-Empfänger)

Behandlung

Inlandsbezug — Schweizer Lieferant fakturiert mit CH-MwSt, LI-Empfänger Vorsteuer

MwSt

Schweizer MwSt 8,1 %, Vorsteuerabzug für LI-Empfänger ohne Reverse Charge

Peppol BIS 3.0

S / AA / Z (je nach Satz), kein AE

LI → EU-B2B (z.B. AT, DE, IT)

Behandlung

Export aus CH-LI-Raum — steuerbefreit nach Art. 23 MWStG, Reverse Charge beim EU-Empfänger

MwSt

0 % LI-MwSt; EU-Empfänger schuldet eigene MwSt nach Reverse Charge (Art. 196 EU-Richtlinie)

Peppol BIS 3.0

K (intra-EU 0%) mit UID des EU-Empfängers

EU-B2B → LI (z.B. von DE nach LI)

Behandlung

Import in CH-LI-Raum — EU-Lieferant ohne MwSt (Reverse Charge), LI-Empfänger Selbstveranlagung

MwSt

0 % auf der Rechnung; LI-Empfänger schuldet LI-MwSt und macht parallel Vorsteuer geltend

Peppol BIS 3.0

Empfänger-seitig: Verbuchung als reverse-charge mit liechtensteinischer 8,1 %

LI → EU-B2C (Konsumenten, z.B. SaaS)

Behandlung

OSS-Pflicht greift nicht direkt — LI nicht EU-Mitglied; Registrierung als nicht-ansässig in einem EU-Mitgliedstaat

MwSt

MwSt-Satz des EU-Bestimmungslandes (z.B. 19 % DE), via OSS-Nicht-EU-Schema oder Direktregistrierung

Peppol BIS 3.0

Keine Peppol-Pflicht für B2C; B2C-Rechnungen via normale Rechnungssoftware

LI → Drittstaat (z.B. USA, JP)

Behandlung

Export — steuerbefreit nach Art. 23 MWStG, ohne Reverse Charge (kein gemeinsames MwSt-Recht)

MwSt

0 % LI-MwSt; der Empfänger schuldet ggf. eigene Inlandssteuern nach Drittstaatsrecht

Peppol BIS 3.0

Z (Export, 0 %) — Peppol-Routing oft nicht möglich (Drittstaat AP-Verfügbarkeit prüfen)

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